atombahn

Redebeitrag zur Deutschen Bahn auf der Fahrraddemo am 28.5.2011:

Der oberste Bahnmanager Grube hat letztes Jahr den „energiepolitischen Appell“ unterzeichnet. In wessen Namen betrieb er diese „aggressive öffentliche Stimmungsmache“ (so der Spiegel) für die Laufzeitverlängerung der AKWs? Nicht im Namen der BahnerInnen! Von ihnen hat er kein Mandat, er ist nicht ihr gewählter Sprecher. Grube spricht und handelt für diejenigen, die mit der Bahn Profite machen wollen – Profite auch aus der Atomenergie.

Woher kommen die Atomprofite der Bahn?

Bekannt ist der Castor-Transport. Weniger bekannt sind die jährlich etwa 140 Transporte radioaktiven Materials. Diese sind wichtig für den atomaren Kreislauf – für den Umsatz der Bahn aber vernachlässigbar. Von der Atombahn müssen wir sprechen, weil die Bahn fast 25 Prozent ihres Stromes aus Atomkraftwerken bezieht – konkret aus Neckarwestheim.

Die Bahntochter DB Energie ist das sechstgrößte Energieversorgungsunternehmen in Deutschland. Ihr Hauptsitz ist hier im Gallus. Die Bahn ist auch Gesellschafterin der EnBW Kernkraft GmbH – sie ist damit direkt an den AKWs in Neckarwestheim beteiligt. Auf dem Gelände des Schrottreaktors Neckarwestheim I betreibt DB Energie ein Umformerwerk, das niedrigfrequenten Bahnstrom erzeugt (von 50 auf 16,7 Hertz). Zur Zeit baut die Bahn in Neckarwestheim ein modernes Umrichterwerk. Es soll das alte Umformerwerk ersetzen und 2013 in Betrieb gehen. Die Laufzeitverlängerung für Neckarwestheim I hätte der Bahn
Extraprofite beschert – laut Financial Times Deutschland allein bis 2015 einen Betrag im 3-stelligen Millionenbereich.

Und nach der Katastrophe in Fukushima?

Herr Grube hält den Kurs. In der Zeit erklärte er:

»Ich bin kein Befürworter der Kernenergie. Wenn es möglich wäre, würde ich morgen die Kernkraftwerke abschalten, aber das geht nicht. Wir brauchen einen Übergang. Schließlich stehen wir auch im Wettbewerb mit der französischen Bahn, die zu hundert Prozent Atomstrom nutzt.«

Als Nichtbefürworter der Atomenergie fordert Herr Grube den Einsatz der Atomenergie. Logisch – oder? Die Logik des Herrn Grube ist die banale Logik des Kapitals. Ohne „Übergang“ fallen die Extra-Atom-Profite weg.

„Atomprofiteure stillegen – weltweit!“

Unter diesem Motto sind wir losgeradelt. Nun will bestimmt niemand die Bahn als solches stilllegen. Aber: Wir wollen, dass die Atomtransporte aufhören und wir wollen auch, dass die Bahn aus der Atomenergie aussteigt. Und dafür müssen wir schon selber sorgen. Sich informieren – Informationen weitergeben. Vom 13.-18. August werden die AKWs in Neckarwestheim blockiert. Da kann man und frau sicherlich auch die Baustelle des Bahn-Umrichter-Werks besichtigen. Die Castor-Transporte werden auch dieses Jahr wieder ausgebremst werden.

Und die BahnerInnen tun natürlich was Ihnen gesagt wird. Regeln, Prozesse und Vorschriften sind gerade bei der Bahn weit verbreitet. Manchmal verhindern sie geradezu vernünftiges Arbeiten. Aber wenn es um radioaktive Transporte geht, müssen alle Regeln, Prozesse und Vorschriften ganz genau befolgt werden. Das ist „Dienst nach Vorschrift“ wird es dann womöglich heißen. Das mag sein. Aber wenn irgendetwas schief geht – etwa überladene Waggons entgleisen – dann wird genauestens untersucht, wer welche Vorschrift nicht befolgt hat. Die Vorschriften dienen dann dazu, denen am untersten Ende der Befehlskette die Verantwortung zuzuschieben. In den Knast wandert der Lokomotivführer und nicht derjenige, der die Prozesse und die technische Infrastruktur auf Sparen getrimmt hat.

Wir alle können etwas tun, jede an ihrem Platz, jeder auf seiner Art. Gemeinsam können wir den atomaren Kreislauf durchbrechen.

Weitere Informationen:

Greenpeace zur Atombahn (factsheet.pdf)

Beitrag im Fernsehmagazin PlusMinus (Sendungsausschnitt video)


1 Antwort auf „atombahn“


  1. 1 Anonymous 02. Juli 2011 um 8:44 Uhr

    E.on und RWE im Aufsichtsrat der Bahn

    „Besieht man sich die Zusammensetzung des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn AG, dann bietet das Engagements Grubes zugunsten der Atomlobby eine erste Erklärung: Dort sind die Atomstromproduzenten E.on und und RWE mit Vorstandsmitgliedern vertreten. Interessanterweise nehmen Christoph Dänzer-Vanotti (Vorstandsmitglied von E.on) und Jürgen Großmann (Vorstandsvorsitzender der RWE AG) dort Mandate wahr, die eigentlich solche des Eigentümers, des Bundes sind. Sie sollen dort das In-teresse der öffentlichen Hand als Eigentümertin vertreten – sind jedoch Top-Manager von Konzernen mit sehr spezifischen und in aller Regel umwelt- und klimafeindlichen Interessen vertreten.“

    Zitat aus „Der alternative Geschäftsbericht des Bündnisses Bahn für Alle (BfA)“.

    Der Bericht ist leider nicht mehr im WEB verfügbar. Zu Bezugsquellen siehe http://www.bahn-fuer-alle.de/pages/pressemitteilungen/2011/bdquostuttgarter-stresstest-ist-weichenstellung-fuer-die-bahnpolitikldquo.php

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