Aufruf zur Fahrrad-Demo am 28.05.2011 in Frankfurt am Main

Mit unserer Demo besuchen wir einige Unternehmen der Nuklearwirtschaft, die für ihre Milliardengewinne nicht nur in Japan über Leichen gehen. In Frankfurt steht zwar keine Brennelementefabrik, aber die Köpfe, Planenden und Finanziers der gesamten atomaren Verwertungskette sind sehr wohl hier anzutreffen. Uns geht es nicht nur um die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke, denn…

…die Atomindustrie steht für weit mehr als nur für die uns bekannten Atomanlagen. Sie steht für den Uranabbau, durch den in Ländern wie Kanada, Australien, Niger und Namibia weite Landstriche samt der dort lebenden Menschen systematisch verseucht werden. Sie steht sowohl für die Produktion von Brennelementen, die dann um den ganzen Globus transportiert werden, als auch für die Herstellung von panzerbrechender Munition aus abgereichertem Uran. Sie steht für den Bau von AKW in erdbebengefährdeten Gebieten und für deren Betrieb, wobei Leiharbeiter/innen und Tagelöhner/innen die dreckigsten und gefährlichsten Jobs zugewiesen bekommen. Selbst mit dem Rückbau von AKW und der „Entsorgung“ radioaktiven Mülls in rostenden Fässern wird Geld gemacht.

Das liegt nicht daran, dass die Atomindustriellen besonders skrupellos wären. Sie handeln lediglich im Interesse der Verwertung des eingesetzten Kapitals. Kapital aber ist per se amoralisch, wie schon T. J. Dunning, ein Zeitgenosse von Karl Marx, wusste: „Kapital hat einen Horror vor der Abwesenheit von Profit. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

In einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft hat der Staat die Aufgabe, die Bedingungen für die Verwertung von Kapital sicherzustellen. Deshalb schießt die indische Polizei auf Demonstranten, die verhindern wollen, dass der Areva-Konzern in Jaitapur den größten AKW-Komplex der Welt errichtet. Deshalb mobilisiert die deutsche Bundesregierung Militär und Polizei gegen diejenigen, die an den Bahnstrecken nach Gorleben versuchen, den nuklearen Wirtschaftskreislauf zu durchbrechen, der jeden Tag neuen Atommüll produziert.

Wir verstehen uns als Teil dieses Widerstands – und wissen gleichzeitig, was unter den herrschenden Verhältnissen von der lautstark propagierten „Energiewende“ zu erwarten ist. So führt der Ausbau von Windparks und großflächigen Solaranlagen bereits heute zu einem Ansturm auf Kupferreserven, seltene Erden und andere strategische Rohstoffe. In den Abbaugebieten werden – analog zur Uranförderung – Mensch und Umwelt gnadenlos ausgebeutet und vernutzt. Um sogenannten Biosprit aus Pflanzen zu gewinnen, werden Flächen genutzt, die dringend für den Anbau von Nahrungsmitteln gebraucht werden. Der neueste Verkaufsschlager heißt Wüstenstrom aus der Sahara („Desertec“) – exklusiv für die europäischen Metropolen und militärisch abgesichert.

Unsere Aufgabe ist und bleibt die Erkämpfung eines menschen- und umweltfreundlichen Daseins – gegen diejenigen, die das Verwertungsprinzip exekutieren.

Atomausstieg ist Handarbeit – Hau weg den Scheiß!

Gesamtdistanz: 17,8 km // Start: 10.30 Uhr Kurfürstenplatz // Ziel: 15.00 Uhr Römerberg/Abschlusskundgebung der parallel stattfindenden Anti-AKW-Demo //
weitere Infos unter: www.stilllegen.blogsport.de